Oct 7, 2026
Erinnerst du dich noch an die Zeit vor dem 1. April 2024? An die Warnungen, dass mit der Legalisierung alle Dämme brechen, dass plötzlich viel mehr Menschen kiffen und immer mehr in einen problematischen Konsum rutschen? Wenn du zu denen gehörst, die Cannabis verantwortungsvoll konsumieren, hast du dir diese Debatte oft anhören müssen. Und vermutlich hast du dich gefragt, wann endlich mal jemand nachschaut, ob das alles überhaupt stimmt.
Genau das hat jetzt ein internationales Forschungsteam getan. Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig. 💚
Beteiligt waren Forschende der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, der Universität Leipzig, des University College London und der Universität Maastricht. Veröffentlicht wurde die Arbeit im Fachjournal International Journal of Drug Policy.
Die Grundlage ist breit: 23 wiederholte Befragungswellen mit insgesamt 35.957 Teilnehmenden, erhoben zwischen Frühjahr 2022 und Frühjahr 2026. Damit konnten die Forschenden die zwei Jahre vor der Legalisierung direkt mit den zwei Jahren danach vergleichen. Sie haben dabei nicht nur geschaut, wie viele Menschen überhaupt konsumieren, sondern auch, wie viele häufig oder intensiv konsumieren.
Die Antwort der Forschenden ist klar: Die Cannabisreform von 2024 war in den ersten zwei Jahren nicht mit einer Veränderung beim Konsum verbunden. Weder der Anteil der Menschen, die in den letzten zwölf Monaten Cannabis konsumiert haben, noch der Anteil der Vielkonsumierenden hat sich nach der Legalisierung statistisch messbar verändert.
Beim täglichen oder fast täglichen Konsum zeigt sich über den gesamten Zeitraum sogar ein leicht rückläufiger Trend. Der ist allerdings so knapp, dass man daraus keine großen Schlüsse ziehen sollte. Die eigentliche Botschaft ist eine andere: Die Konsumwelle, vor der so viele gewarnt haben, ist nicht gekommen.
Damit steht die Studie auch nicht allein. Schon der Zwischenbericht der offiziellen Evaluation des Cannabisgesetzes (EKOCAN) kam im Frühjahr 2026 zu dem Ergebnis, dass sich kein Konsumanstieg direkt auf die Legalisierung zurückführen lässt.
Zur ehrlichen Einordnung gehört auch: Zwei Jahre sind ein überschaubarer Zeitraum, und die Daten beruhen auf Selbstauskünften der Befragten. Die Forschenden empfehlen deshalb selbst, die Entwicklung über einen längeren Zeitraum weiter zu beobachten. Das finden wir richtig. Gute Politik braucht gute Daten, und zwar dauerhaft und nicht nur, wenn sie gerade ins eigene Weltbild passen.
Hier wird es spannend. Denn während die Datenlage immer klarer wird, klingt die politische Debatte teilweise, als hätte es diese Ergebnisse nie gegeben. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat das Gesetz im Frühjahr einen „Fehler" genannt, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einem „Rohrkrepierer". Und Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach fordert weiterhin die komplette Rücknahme.
Man kann über einzelne Punkte des Gesetzes streiten, und an manchen Stellen gibt es sicher Verbesserungsbedarf. Aber wer ein Gesetz zurückdrehen will, sollte das mit Fakten begründen können und nicht mit Befürchtungen, die sich nicht bestätigt haben. Gerade hier in Bayern wünschen wir uns eine Debatte, die sich an dem orientiert, was tatsächlich passiert.
Für uns zeigt diese Studie vor allem eins: Erwachsene Menschen können mit mehr Freiheit verantwortungsvoll umgehen. Was es braucht, ist keine Angstpolitik, sondern ehrliche Aufklärung, gute Prävention und eine Debatte auf Augenhöhe.
Genau dafür stehen wir. Wir behalten die Forschung und die politischen Entwicklungen im Blick, ordnen ein, was wirklich zählt, und lassen uns nicht von lauten Schlagzeilen treiben. Wer das genauso sieht, ist bei uns richtig. 🌱
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Aufklärung und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Wenn du Fragen zu deinem eigenen Konsum hast, sprich am besten mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder einer Suchtberatungsstelle.
Quellen: International Journal of Drug Policy (2026), Studie zu Cannabiskonsum vor und nach der Legalisierung in Deutschland (sciencedirect.com/science/article/pii/S0955395926003543); International Cannabis Business Conference, Bericht vom 30.09.2026; Ärzte Zeitung, „‚Fehler', ‚Rohrkrepierer': Unions-Ministerien nehmen Cannabis-Gesetz ins Visier" vom 01.04.2026.
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