Sep 20, 2026
Kennst du das Gefühl, dass ein Gesetz eigentlich an dir vorbeigeht – aber die Debatte darüber trotzdem dein Leben betrifft? Genau das passiert gerade beim Thema Medizinalcannabis. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) will den Online-Versand von Cannabisblüten stoppen. Was auf den ersten Blick nichts mit unserem Verein zu tun hat, zeigt bei genauerem Hinsehen ziemlich genau, worum es uns eigentlich geht.
Was Linnemann fordert
Am 15. September 2026 machte Linnemann klar: Cannabisblüten sollen künftig nur noch nach direktem Arzt-Patienten-Kontakt verschrieben werden, der Versandhandel über ausländische Online-Plattformen soll komplett wegfallen, und die Abgabe soll ausschließlich in Apotheken vor Ort stattfinden. Ein entsprechender Gesetzentwurf der schwarz-roten Koalition liegt bereits seit Ende 2025 im Bundestag.
Die Begründung – und eine große Lücke ❗
Grundlage ist zunächst eine Prognose, nach der sich die Importe von Medizinal-Cannabisblüten 2026 auf rund 300 Tonnen belaufen sollen – eine Verzehnfachung in nur drei Jahren. Diese Zahl lässt sich nachvollziehen.
Anders sieht es bei Linnemanns zweitem Argument aus. Er verweist auf „eine kürzlich vorgelegte Studie", wonach Krankenhausaufnahmen mit cannabisspezifischen Diagnosen seit der Legalisierung 2024 „relevant gestiegen" seien – vermutlich wegen eines höheren THC-Gehalts. Klingt nach einem starken Argument. Nur: Weder Linnemann noch die Berichterstattung darüber nennen, wer diese Studie durchgeführt hat, wann, mit welchen Fallzahlen oder wo sie überhaupt nachzulesen ist. Eine Studie, die niemand einsehen kann, ist erstmal nur eine Behauptung. Wer eine so einschneidende Regeländerung damit begründet, sollte auch offenlegen können, worauf sie sich stützt.
Der Punkt, den die Debatte übersieht
Und noch etwas fällt auf: Linnemann selbst sagt, „Konsumcannabis auf Knopfdruck per Versandhandel, das hat nichts mehr mit Gesundheitsversorgung zu tun." Darin steckt unfreiwillig etwas, das wir schon lange beobachten: Viele Menschen nehmen den Umweg über eine lockere Privatverschreibung und einen ausländischen Versandhändler, weil es für sie schlicht keinen anderen legalen Zugang zu Cannabis gibt. Nicht, weil sie krank sind – sondern weil das eigentlich dafür vorgesehene Modell, der Cannabis Club, in ihrer Nähe gar nicht existiert.
Dabei gibt es dieses Modell längst, und es funktioniert: Anbauvereinigungen nach dem Konsumcannabisgesetz geben ihren Mitgliedern kontrolliert und transparent Cannabis ab – ganz ohne Arztbesuch, ohne Auslandsversand, ohne Grauzone. Wer konsumieren möchte, kann das über den dafür vorgesehenen Weg tun, statt sich ein medizinisches Etikett zu besorgen, das eigentlich für echte Patient:innen gedacht ist. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun – und genau deshalb ist es so unnötig, dass beides gerade in einen Topf geworfen wird.
Warum uns das etwas angeht
Wir sind als Cantura Cannabis Club München ein Aufklärungsverein – bei uns findet aktuell keine Abgabe statt, das ist politisch in Bayern schlicht noch nicht möglich. Genau dafür setzen wir uns aber ein: dass es auch hier irgendwann einen legalen, seriösen Zugang über einen echten Cannabis Club gibt, so wie es ihn in anderen deutschen Städten bereits gibt. Wenn die Politik ernsthaft etwas gegen Missbrauch tun will, dann nicht, indem sie eine Lücke schließt und Menschen ohne Alternative zurücklässt – sondern indem sie das Modell ausbaut, das genau für diesen Bedarf gemacht ist. Wer das genauso sieht, ist bei uns richtig. 🌱
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und Aufklärung und ersetzt kein ärztliches Gespräch. Er enthält keine medizinischen Wirkaussagen zu Cannabis. Eine Vereinsmitgliedschaft ist kein Ersatz für eine medizinische Therapie.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, „Linnemann dringt auf strengere Regeln für Medizinal-Cannabis" (15.09.2026); Tagesspiegel/dpa, „Linnemann dringt auf strengere Regeln für Medizin-Cannabis" (15.09.2026).
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